Lebens- - Carl Rudolph Bromme Gesellschaft

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Interna > im Bau
 


Die Lebenserinnerungen
 
des ersten Deutschen Admirals
 
Carl Rudolph Brommy
 
(1804 - 1860)
 
und der Aufbau der
 
ersten Deutschen Flotte       1848 bis 1853.   
 



 
von
 
Wolfgang Meironke
 
 
 
Leseprobe 1827 bis 1848
 
Vorwort
 
 
Der Autor dieser Arbeit hat nicht die Absicht die Aussagen vieler Quellen zu kommentieren oder in Frage zu stellen da er sich weder berufen noch dazu in der Lage sieht, „Geschichte zu schreiben“
 
Er sieht sich vielmehr in der Position, die ihm zugänglichen Quellen so zu ordnen, das sich ein klareres Bild über die Geschehnisse ergeben, als sie sich unter anderen Gesichtspunkten oder Sichtweisen der Vergangenheit ergeben haben. Im weitesten Sinne trifft auch das auf die Leistung der Aufbauarbeit von CRB genauso über die Persönlichkeit des ersten deutschen Admiral zu, die in den meisten Quellen wenig Eingang und Bewertung findet.
 
Eines der Gründe diese Arbeit als eine Rückbesinnung des Admirals zu schreiben ist in der Vielzahl der archivierten Unterlagen zu sehen, die der Autor in der vierzigjährigen Arbeit über das Leben des ersten deutschen Admirals gesammelt hat. Die Rückbesinnungen kann deshalb mit belegbaren Schriftstücken und mit Datumsangaben derart untermauert werden, als würde der alte Admiral über seinem Copierbuch und weiteren Unterlagen sitzen, diese studieren oder Revuepassieren lassen während er in seiner türkischen Sauna weilt, um seine körperlichen und seelischen Leiden zu mildern…
Burglesum 1859…
Das Jahr 1853 war für mich die größte Herausforderung in meinem nicht unbewegten Leben und gleichzeitig das Ende meiner so geliebten maritimen Tätigkeit. Es ist für einen Mann wie mich, der eine sehr erfolgreiche Karriere erleben durfte, die mir zu Beginn meiner Seefahrerzeit im Jahre 1820 niemand zugetraut hätte der erste deutsche Admiral der Reichsflotte zu werden, nicht leicht, zum Ende seines Lebens auf ein schmähliches Ende seines Lebenswerkes sehen zu müssen. Die Versteigerung meiner Flotte!
  
Ich bin erschöpft von den letzten Ereignissen, der Rückreise aus Mailand und dem Umzug in mein neues Wohnhaus im  Jahre 1857 nach Burglesum an der Lesum. Mein Kopf ist noch voll von Tatendrang, mein Körper dagegen ist müde geworden. Zu viel habe ich wohl in den letzten 40 Jahren, viele davon auf Hoher See, von ihm verlangt, so dass ich jetzt gebrechlich bin, so krank dass ich nicht einmal mehr ohne starke Schmerzen leserlich schreiben kann.
  
Ich zehre heute von dem was ich jetzt erleben darf: Meine mich umsorgende Gattin Caroline und mein lebhaften Sohn Carl Rudolph machen mir viel Freude, wogegen ich traurig bin wegen meiner Gicht und Rheuma nicht mit ihm spielen zu können. Ein großer Halt in dieser schweren Zeit ist die Familie meiner Gattin, wobei mir mein Schwiegervater Gerhard Gross ein sehr großer und guter Freund geworden ist.
  
Ich begebe mich jetzt zur Linderung meiner Gelenkschmerzen in das an meinem Haus angebaute türkische Bad, und genieße die schmerzlindernde Tinktur. Hier ist nun Zeit mich meines Lebens zu erinnern…
 
 
Mein Eintreffen in Griechenland 1827
 
und der Rückblick auf den Beginn meiner Fahrenszeit ab 1819
 
 
Im Mittelmeer mit Kurs auf Griechenland…

Ich begann meine erste Seereise von Hamburg aus im Jahre 1820, und bin seit dem Jahre 1826 Kapitän der amerikanischen Handelsmarine. Nun befinde ich mich mit Freunden auf den Weg von den USA nach Griechenland. Zu Beginn des Jahres 1827, ich bin jetzt 23 Jahre jung, beginnt ein neuer Abschnitt in meinem, bislang nicht uninteressanten Leben. Geboren 1804 in Anger bei Leipzig hat es mich aus dem deutschen Binnenland einst zur See getrieben und ich habe diesen Schritt bislang nie bereut. Einzig das ich meine Herkunft als Deutscher auf den englischen und amerikanischen Handelsschiffen verheimlichen mußte, um mit Erfolg die angestrebten Ziele vom Matrosen über den Steuermann bis zum Kapitän erreichen zu können schmerzt mich, den ich heiße mit Geburtsname Bromme, Carl Rudolph Bromme!
 
Neben dem Handwerkzeug als guter und gerechter Kapitän eines Handelsschiffes hat mich neben der Nautik, auch das Handwerk des Seesoldaten immer fasziniert und in Anspruch genommen. Ganz gleich ob es die Bauweise der Kriegschiffe, ihre Bewaffnung, Takelage, ihre militärische Disziplin oder das Arsenalwesen der „Navy“ betraf, ich saugte dies auf wo ich damit in Berührung kam, machte Aufzeichnungen von Schiffen, Gesprächen und Erfahrungen. Meine Lehrer in Leipzig würden sich sehr wahrscheinlich die Augen reiben wenn sie mich jetzt sehen könnten wie weit ich es bislang gebracht habe…
 
Seit mich der Virus der Philhellenen erfasst hatte begebe ich mich intensiver in die griechische Geschichte hinein. Diese Bewegung, seit Beginn der 20iger Jahre erfasst immer mehr, junge wie alte Männer gehobener Bildung, die sich für die Bewahrung der großen antiken Kultur aussprechen und sich entsprechend dazu berufen fühlten, den Hellenen im Kampf um die Unabhängigkeit gegen das Osmanische Reich auch persönlich zu helfen. Viele von ihnen schlossen sich im Zuge der griechischen Revolution sogar den Truppen an und nahmen an Kämpfen teil wie der bekannte britische Dichter Lord Byron. Dieser nahm 1823 als Philhellene das ihm angebotene Kommando über die freien griechischen Streitkräfte an und erreichte einen hohen Bekanntheitsgrad. Am 29. Dezember 1823 machte er sich auf den Seeweg nach Mesolongi und organisierte aus eigenen Mitteln eine Kampftruppe von ca. 500 Soulioten. Auch stellte er der damaligen griechischen Regierung große Summen zur Verfügung, um damit eine Flotte zum Angriff auf Lepanto (Naupaktos) zu finanzieren. Er verstarb aber schon früh in Griechenland 1824 an einer schweren Erkältung.
 
Im war auch der britische Kapitän Hastings gefolgt. Hastings erkannte, dass die leichten griechischen Flottenverbände der osmanischen Flotte unterlegen waren. Er verfasste 1823 eine Denkschrift für Lord Byron, die er auch 1824 der provisorischen griechischen Regierung vorlegte, und entwickelte dabei neue strategische und taktische Gedanken die den Einsatz von Dampfschiffen und Brandern neu bewertete. Da die griechische Regierung seine Pläne, die die Anschaffung von Dampfern und die Einführung von Panzerungen bedeutete, nur teilweise umsetzen konnte, setzte Hastings zu deren Verwirklichung in erheblichem Umfang eigenes Vermögen ein. Er begab sich 1824 nach England, um ein Dampfschiff zu erwerben und hatte 1825 die „Karteria“ („Ausdauer“), einen kleinen Raddampfer, ausgestattet. Das Schiff wurde 1826 in Griechenland in Dienst gestellt und war das erste Dampfkriegsschiff der Welt, das an Kampfhandlungen beteiligt war. Unter dem Kommando von Frank Abney Hastings erlangte die „Karteria“ bald einen furchterregenden Ruhm. Dieses erste griechische dampfgetriebene Kriegsschiff war mit Engländern, Schweden und Griechen besetzt und mit Granatwerfern ausgestattet, das auch von Hastings als Kapitän geführt wurde.
 
Auch in den USA waren die Philhellenen in den gebildeten Kreisen ein Gespräch, und seit bekannt wurde das zwei Segelschiffe für die Befreiungsarmee gebaut wurden war für mich klar, das ich mich dieser Bewegung anschließen wollte. Die Gründe mich den Phihillenen anzuschließen lag für mich in der Notlage dieses unterdrückten Volkes, das sich wieder als eigenständiges und stolzes Volk sehen, und seine nationale Eigenständigkeit erreichen wollte.
 
Ich war mir im Klaren, das der Schritt den ich beabsichtigte, ein großer und gefahrvoller sein würde. Gut, die Gefahr den Tot zu finden war auch auf Handelsschiffen ein tägliches Brot, lauerten Stürme, Krankheiten, Piraten und andere Unbilden auf einen. Nun wollte ich den Weg eines Soldaten, ungeübt und unerfahren im Umgang mit militärischer Disziplin und Ordnung, gehen! Aber da ich schon auf meinen Schiffen die unter meinem Kommando gestanden hatten als wichtigstes Disziplin, Ordnung und Gehorsam angesehen hatte, und gerade darauf mit Erfolg zurückschauen konnte, was die Begleitschreiben und Empfehlungen für diese Reise ausgefertigt und belegten, sah ich diesem Schritt mit Freunde und großer Hoffnung entgegen.
 
Am 18 Februar 1827 treffe ich nun in Griechenland auf der Insel Hydra ein und begebe mich unverzüglich an Bord des Oberbefehlshabers Admiral Miaoulis, der mich freundschaftlich empfing, um ihn meine Dienstpapiere und Empfehlungen zu übergeben. Der Admiral schickte mich dann an Bord einer gerade erbeuteten türkischen Korvette. Da an Bord des zur Reparatur liegenden Kriegsschiffes kein Dienst zu leisten war, begebe ich mich wieder zum Admiral um diesen zu bitten, meine Familie in Leipzig besuchen zu dürfen, die ich seit acht Jahren nicht mehr gesehen hatte. Er willigte ein, mit der Anordnung mich im April wieder zurück zu melden.
Auf der Fahrt nach Leipzig habe ich nun Zeit meine Zeit als Seemann Revue passieren zu lassen.
Mein Elternhaus, meine Jugend und Schulzeit übergehe ich in der Gewissheit, dass ich zu späterer Zeit noch einmal Gelegenheit haben werde diese genauer zu beleuchten. Jetzt erst einmal steht der Seemann Carl Rudolph Bromme im Vordergrund mit einem ungewissen Start in das neue Berufsleben als Seemann in Hamburg im Jahre 1819.
Sie beginnt mit meinem Eintreffen mit der Postkutsche von Leipzig kommend nach Hamburg. Die Lehrgeldfreie Navigationsschule zu Hamburg als solche hatte durch ihre bisherigen Leiter und Lehrer ein außerordentlich gutes Ansehen erworben. Von 1749- 1766 hatte Gerlof Hiddinga, Mathematik- und Zeichenlehrer die Verantwortung für die Navigationsschulung inne bis er 84jährig starb! Durch ihn erreichte die Schule einen guten Bekanntheitsgrad, weit über die Hamburger Grenzen hinaus.
Es folgte ein Schüler der Navigationsschule, J. J. Früchtnicht, der von 1766 bis 1816 die Unterrichte leitete. Zwischen 1810 bis 1816 war durch die französische Besatzung kein geregelter Unterricht möglich. So wurde aber das Lehrmaterial geschützt und für den Wiederbeginn 1816 gesichert. 1816 folgte in der neuen Aufbauzeit der Organisation unter
 
Als Seemann unter amerikanischer Flagge...

Die nachfolgenden Jahre auf amerikanische Handelsschiffen waren für mich in sofern sehr lehrreich da ich schnell die amerikanische Sprachweise lernte, auf allen Weltmeeren fuhr und alle ihre Lieblichkeiten, aber auch Gefahren erfuhr. Eines aber, und das schmerzte mich zunächst sehr, mußte ich erkennen, das ich als deutscher Seemann nicht geachtet war. Man traute mir das Handwerk schlichtweg nicht zu. Da die Amerikaner sowieso Schwierigkeiten mit der Aussprache meines Nachnamen hatten, gedachte ich beim nächsten Wechsel eines Schiffes diesen in „Brommy“ zu ändern, die Kameraden konnten mich nun gut ansprechen, und ich hatte meine Ruhe mit meiner Herkunft!
Die vielen Begebenheiten die ich durchlaufen mußte um mein Patent zum Steuermann, und mit 22 Jahren zum Kapitän eines amerikanischen Handelsschiff zu erlangen sollen hier ohne Belang sein, wollte ich doch einen weiteren Weg gehen, und zur Kriegsmarine wechseln, was mir mit dem Wechsel in die griechische Marine, so hoffte ich, gut gelingen könnte. Bei einem solchen Wechsel würden die anerkannten Patente des Kapitän in der Regel für die in der „Navy“ zum Leutnant zur See anerkannt, auf der dann, und das wollte ich schon, bald weiter emporgestiegen werden könnte. Nun stand zunächst mein lang vermisstes Treffen mit meiner Familie in Leipzig, der ich mit Freude entgegenstrebte.
…und meine Rückkehr nach Leipzig 1827

In Leipzig angekommen widme ich mich zunächst besonders dem Treffen mit meiner Schwester Friederike, mit der ich mich immer sehr gut verstand. Es folgen natürlich nun viele Treffen mit Freunden und Bekannten, die von meinem Leben als Seemann erfahren möchten.
 
Diese vielen Begegnungen mit Freunden und Verwanden geben mir verstärkt Halt und Zuversicht, so das ich diese Verbindung zu meiner Heimatstadt Leipzig verstärken möchte und nehme Kontakt zur Leipziger Loge „Apollo“ auf um mich ihr anzuschließen.
 Am 15 April, ich bin unmittelbar in den Vorbereitungen um nach Griechenland zurückzukehren, stelle ich an den Vorsteher den Antrag zur Aufnahme in die Loge:
„(…) Ich stehe jetzt im Begriff, mein Vaterland Sachsen von Neuem zu verlassen, und mich von meinen Geschwistern, Verwandten und meinen Freunden auf, vielleicht nimmer zu verlassen. (…), um in meiner jetzigen Charge, als Schiffs Capitain der Vereinigten Staaten Nordamerikas (…). Gern möchte ich, um den Schmerz der Trennung zu mildern, mit meinen Freunden (…) in geistiger Verbindung bleiben und wünsche daher, mich einer, durch viele vortreffliche Eigenschaften ausgezeichneten Gesellschaft, deren Vorsteher Sie sind, angeschlossen zu haben, ich wünsche, sag ich, Freymaurer zu werden.“[1]  

Unmittelbar danach begebe ich mich auf die Reise nach Griechenland um meinen Dienst am 27. April 1827 als 1.Leutnant auf der Fregatte „Hellas“, in der föderativstaatliche griechische Marine anzutreten. In den griechischen Marinepapieren heiße ich nun nicht mehr Carl Brommy sondern Karrolos Vrámis!
 Ich erhalte einen Posten als 1. Leutnant auf dem größte und kampfstärksten Schiff, der „Hellas“ mit 60 Kanonen bewaffnet und das Flaggschiff des vor kurzem eingetretenen Admiral Cochrane[2] war. Dieses gespendeten ehemaligen US-Kriegsschiffe „Hope“ sollte auf absehbare Zeit die militärische Heimat von mir werden. Der griechische Seeheld Konstantinos Kanaris war Kapitän des Schiffes.

 
 
 Als Leutnant in der griechischen Marine 1827
 
Ich beobachte nun eingehend meinen neuen Lebensbereich als 1. Leutnant auf der „Hellas“.
 
Das ehemalige amerikanische Schiff ist gut hergerichtet, wogegen die Besatzung einen undisziplinierten, und nicht eingeübtes Gebilde darstellen. Wie auch. Bislang, und das muß ich mit Verwunderung feststellen, gibt und gab es keine geordnete militärische Struktur in der Seefahrernation Griechenland. Seit dem Beginn des Aufstandes war es nicht gelungen eine Ordnung für die Operationen zu erreichen, zumal die stärksten Impulse, was Schiffe und Besatzungen betrafen, von der Insel Hydra ausgingen, von der auch Admiral Miaulis stammte.
 
 
Unter seiner Führung waren die bisherigen Operationen zur See gegen die türkischen und ägyptischen Seeverbände, zumeist erfolgreich, durchgeführt worden, aber spontan und ohne Zusammenwirken mit den Landtruppen.
 
 
Seit sich Ägypten an die Seite der Türken gestellt hatte, war der Krieg hart und unbramherzig von allen Seiten betrieben worden. Es wurden keine Gefangenen gemacht, von beiden Seiten, wer unterlag wurde getötet oder von den Ägyptern in die Sklaverei nach Ägypten verschleppt.
 
 
Mein nächster großer Einsatz auf der „Hellas“ war im Rahmen des erneuten Befreiungsversuches von Athen von türkischen Truppen am 6. Mai 1827. Es ist ein Großangriff durch Landtruppen unter Generalissimo Chuch und Seeeinheiten unter Admiral Cochrane geplant der aber völlig daneben gehen. Anstatt die Stadt zu erobern werden die Landtruppen auf dem der Meerseite zugewandten Küste von den Türken eingekreist. Nur durch den Landbeschuss der„Hellas“ kann die Vernichtung verhindert werden. Es sollte die blutigste Niederlage der Griechen im gesamten Befreiungskrieg werden. Hierbei wurde die alte Burganlage der Akropolis mit ihren wertvollen Säulen und Skulpturen weitgehend zerstört.
 
 
Ich mußte mich über die Vorgehensweise in der Art wundern, dass ich nicht erkennen konnte wo bei diesen Kämpfen die Eckpunkte für eine koordinierte Operation zu erkennen war. Hätte die „Hellas“ nicht so erfolgreich geschossen, es währe zur erneuten Katastrophe für die Griechen gekommen. Ein weiterer Punkt der mir Sorgen bereitete war die Erkenntnis, das wir Ausländer, die alles in ihrer Heimat zurückgelassen hatten und nicht wirklich wussten ob sie lebend, verwundet oder sogar den Tod erleiden würden, garnicht so willkommen waren wie es uns erzählt worden war. Von Freude über unserem Erscheinen, Zuversicht, war nicht viel zu spüren, eher Abneigung!
 
 
Spätestens nach diesem unseligen Gefecht gerieten die “ausländischen” Heerführer schwer in Bedrängnis, kompetente Mitstreiter für die Sache der Griechen zu sein. Sie würden der Sache Griechenlands eher Schaden, als Dienen. Das Ergebnis der Kämpfe von Anfang Mai war, dass die Akropolis von griechischen Truppen am 5. Juni ganz geräumt werden musste und Osthellas wieder ganz in türkische Hände gefallen war! [1]
 
 
Für die Befreiung der Griechen brach nun eine gefahrvolle Zeit an da die Feinde der Griechen, die Türkei und Ägypten, zu Lande obwalten konnte wie ihnen beliebte, und die Griechen sich nur unter vollem Einsatz, und mit Unterstützung ihrer Flotte, halten konnten um den Nachschub der Feinde zu verhindern.
 
 
Die Flotten der Ägypter und die der Türkei dagegen befuhren das Mittelmeer weiterhin ohne dass sie von griechischen Seestreitkräften daran ernsthaft behindert werden konnten. Im Gegenteil, nach den Siegen von Athen musste nur noch die Insel Hydra vernichtet werden, der Haupthafen der griechischen Flotte,  und der griechische Aufstand konnte als gescheitert angesehen werden Aus diesem Grund wollten die türkischen und die ägyptischen Seestreitkräfte gemeinsam die letzte griechische Marinebasis vernichten.
 
 
Ich nehme derweil auf der „Hellas“ unter dem Kommando von Cochrane gegen das von den Türken besetzte Kloster St. Spyridion teil und können dieses letztlich auch erobern. Eine Genugtuung für die Operation vom 21. April die so kläglich scheiterte.
 
 
Die Informationen die auf der „Hellas“ eintrafen besagten das sich Russland, Frankreich und Großbritannien für Griechenland einsetzen würden. Zum einen um die barbarischen Kämpfe der Ägypter zu unterbinden die unsägliche Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung begingen, und um den vernichtenden Angriff der Türken und Ägypter gegen Hydra zu verhindern. Ich schöpfe Hoffnung dass sich die Angelegenheit zum Guten wenden könnte wenn sich diese Seemächte für Griechenland stark machten.
 
 
Wir hofften dass dieses Signal der Alliierten Admiral Cochrane, in See stehend, veranlassen würde aktiver für Griechenland zu operieren. Stattdessen ließ er einen türkischen Schiffsverband mit 28 Schiffen bei der Durchfahrt der Dardanellen passieren, ohne auch nur den Hauch von einem Angriff in die Wege zu leiten. Unverständlich für alle Beteiligten. Der türkische Verband steuerte ohne Behinderung Navarino an und ging dort vor Anker.
 
 
Ich verrichtete weiter meinen Dienst an Bord der „Hellas“ als 1. Leutnant und habe gut an der Sprache und der Gedankenwelt der Griechen Erfahrung gesammelt. Die mir aufgetragenen Aufgaben versuche ich mit großer Genauigkeit und Disziplin zu erfüllen, was mir auch weitgehend gelingt. Die Planungen von Admiral Cochrane für die Zukunft indes bleiben den Mannschaften und uns Offizieren der griechischen Marine vorenthalten! So gehen wir wieder in See, ohne zu wissen wohin es geht…


[1] Erwin Wagner, Wie aus Bromme Brommy wurde.
[2] (Internet) Pierers Universal-Lexikon Griechischer Befreiungskrieg sagt das Cochrane erst im März 1827 in Griechenland
eintraf! Nach Meldungen der Regensburger Zeitung vom Mittwoch den 11. Oktober 1826 wurde der Admiral bald erwartet, und ihm seien alle griechischen Admirale unterstellt. In: Augsburger Zeitung vom 11.10.1826.


Aktualisiert am: 07.12.2017
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